Forschung

An der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Kopf- und Halschirurgie (HNO) werden laufend zahlreiche wissenschaftliche Projekte bearbeitet. Im Jahr 2020 waren 20 Forschende, Doktoranden, Masterstudenten und Zivildienstleistende in der audiovestibulären Forschung tätig. Die Forschungsabteilung der HNO Klinik besteht aus Experten aus den Bereichen Audiologie, Medizin, Physik und Ingenieurwissenschaften. Die Wissenschaftler betreiben anwendungsorientierte Forschung und fokussieren sich auf implantierbare Systeme im Bereich des Ohres. Das Hauptziel ist die Entwicklung von innovativen Technologien, um Patienten mit Hörstörungen zu helfen und Ärzte bei der Diagnose und Behandlung von Innenohrkrankheiten zu unterstützen. Seit 2019 wurde zusätzlicher Forschungsraum im SITEM-INSEL akquiriert für die translationale Ohr- und Schwindelforschung. Gerne stellen wir Ihnen eine Auswahl unserer aktuellen Forschungsprojekte vor.

Link zum ARTORG Hearing Research Laboratory:

https://www.artorg.unibe.ch/research/hrl/

Experimentelle Audiologie

Untersuchung des räumlichen Hörvermögens mit Cochlea-Implantaten

Cochlea-Implantate stimulieren den Hörnerv elektrisch und umgehen dabei die geschädigten Bereiche des Ohrs. Eine Limitation dieser Implantate ist das räumliche Hörvermögen, welches den Träger im Alltag mehr oder weniger stark beeinträchtigen kann. Ein gesundes Gehör erkennt die Richtung eines akustischen Signals anhand von Pegel- und Laufzeitunterschieden zwischen den beiden Ohren. Das Ziel dieses Projekts besteht darin, den Einfluss von verschiedenen Signalverarbeitungsstrategien der Cochlea-Implantate auf die räumliche Hörleistung von Patienten mit beidseitigen Implantaten zu untersuchen.

Dynamische Schallfeldaudiometrie

Unser Team entwickelt neuartige Testumgebungen auf der Basis umfangreicher Grundlagenforschung und klinischer Expertise in der Audiologie. Sie kombiniert hochmoderne akustische Geräte mit Robotik und sensorischer Überwachung von Vitalparametern. Unsere Technologie ermöglicht innovative, realistische und reproduzierbare Hörtests, wie z.B. dynamische Schalllokalisationstests oder Sprachverständlichkeitstests mit bewegten Geräuschquellen. Darüber hinaus ermöglichen unsere Systeme neue diagnostische Ansätze in der Audiologie und Neurotologie um den Behandlungserfolg mit Hörgeräten und -implantaten besser verfolgen zu können und neue Technologien zu testen.

Link zu Unitectra: https://switt.ch/sites/switt.ias/files/technologies/top_is20342_wimmer.pdf)

Hörimplantate und Implantationstechnik

Entwicklung eines Monitoring Tools der Innenohrfunktion

Cochlea-Implantate werden zunehmend bei Patienten eingesetzt, die noch über eine Restfunktion des Gehörs verfügen. Bei diesen Individuen kann das Restgehör intra- und postoperativ erhalten werden. Studien haben bestätigt, dass Patienten mit postoperativ erhaltenem Restgehör im weiteren Verlauf erhebliche Vorteile für das Sprachverständnis und für die Musikwahrnehmung aufweisen. Allerdings gelingt aktuell ein kompletter Erhalt des Restgehörs nur in jedem dritten Fall. In diesem Projekt entwickeln wir ein objektives Messinstrumentarium zur Überwachung der Innenohrfunktion. Dadurch können therapeutische und chirurgische Massnahmen validiert werden, die den Verlust des Restgehörs verhindern.

Entwicklung eines Einführwerkzeugs für Cochlea-Implantationen

Die Cochlea-Implantation erfordert eine hohe Präzision des Chirurgen. Der Zugang zum Innenohr verläuft zwischen dem Gesichtsnerv und dem Geschmacksnerv. Das Einführen des Implantats geschieht manuell und die Strukturen des Innenohrs können dabei leicht verletzt werden. Daher ist eine schonende Einführung des Implantats besonders wichtig. Ziel dieser Arbeit ist es, ein intelligentes Implantat-Einführwerkzeug zu entwickeln, welches auf den Bedürfnissen der Chirurgen basiert.

Tinnitusforschung

Vergleich der Gehirnaktivität bei Patienten mit und ohne Tinnitus

Für Tinnitus-Patienten, welche unter störenden Ohrgeräuschen leiden, ist bis heute keine einheitlich wirksame Behandlung bekannt. Etwa 10-15% der Allgemeinbevölkerung leiden an dieser Krankheit. Tinnitus kann zu gesundheitlichen Problemen wie Schlaflosigkeit, Ängstlichkeit oder Depressionen führen und beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich. Um Tinnitus besser verstehen zu können, müssen derzeitig verfügbare Diagnosemethoden verbessert werden. Die Untersuchung von neuronalen Aktivitäten im Gehirn von Betroffenen könnte ein möglicher Ansatz sein für eine objektive Diagnosestellung von Tinnitus. Ziel dieses Projektes ist es, die Gehirnaktivität bei Tinnitus-Patienten und gesunden Probanden zu vergleichen, um eine objektive Beurteilung von Tinnitus zu ermöglichen.

Schwindelforschung

Schlaganfallabklärung bei Schwindelpatienten in der Notaufnahme

Patienten, welche mit Schwindel in die Notaufnahme kommen, sind häufig und ihre Behandlung ist kostspielig. In den meisten Fällen ist der Schwindel auf eine gutartige Ursache zurückzuführen. Bei einigen der Patienten liegt dem Schwindel allerdings ein Schlaganfall zugrunde. Diese Patienten sind einem hohen Risiko von Fehldiagnosen ausgesetzt, welche zu schwerwiegenden Schäden wie Behinderung oder Tod führen können. Daher ist eine verbesserte Diagnostik bei Patienten mit Schwindel und die frühzeitige Erkennung von Schwindelpatienten mit Schlaganfall zentral. Das Hauptziel dieser Studie ist es, die Diagnostik bei Patienten mit Schwindel zu verbessern und Patienten mit einem Schlaganfall frühzeitig zu erkennen. Die Etablierung einer Methode, welche von Ärzten ohne spezifische Ausbildung angewendet werden kann, um Schlaganfälle bei Schwindelpatienten zu diagnostizieren, ist daher von zentraler Bedeutung.