Patienteninformation

Störungen der Stimme bei Erwachsenen und Kindern

„Ich bin bereits seit mehr als drei Wochen heiser.“

„Ich habe oft ein unangenehmes Gefühl im Hals und muss mich ständig räuspern.“

„Gegen Abend ermüdet meine Stimme oder verschwindet ganz.“

„Ich habe zu wenig Atem, um meine Sätze zu Ende sprechen zu können.“

„Ich bin 20 Jahre alt und meine Stimme ist viel zu hoch. Meine Freunde machen sich bereits lustig darüber.“

Heutzutage sind viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene von Stimmstörungen betroffen. Störungen der Sprechstimme sind gekennzeichnet durch unterschiedliche Grade von Heiserkeit, Ermüdbarkeit, Räusperzwang, Hüsteln, Missempfindungen oder einem Fremdkörpergefühl im Halsbereich. Diese können sich auch auf die Singstimme auswirken. Ist eine Stimme bereits seit drei Wochen heiser, sollte eine Untersuchung bei einem Phoniater oder einem HNO-Facharzt eingeleitet werden.

Stimmstörungen haben meist funktionelle, seltener organische Ursachen. Organisch bedingte Stimmstörungen können durch entzündliche Veränderungen des Kehlkopfes, Stimmlippenlähmungen oder Tumoren verursacht werden. Bei funktionell bedingten Stimmstörungen haben Überlastungen der Stimme, häufig in Zusammenhang mit psychosozialen Belastungen, das Zusammenspiel von Körpertonus, Haltung, Atmung, Stimme und Stimmung gestört.

Eine Stimmtherapie zusammen mit einer stimmhygienischen oder stimmpsychologischen Beratung ist darauf ausgerichtet, Belastungsfaktoren zu erkennen und die Stimme wieder in Harmonie zu Körper und Seele zu bringen.

Spracherwerbsstörungen bei Kindern im Vorschulalter

Moritz, 2 Jahre und 6 Monate alt, gebraucht das Wort „Mama“, sonst sagt er zu allem nur „dä“ oder „dädä“. Der Mutter fällt auf, dass Moritz weder mit anderen Kindern noch für sich alleine spielen kann. Er hängt meist an ihrem Rockzipfel.

Mina, 3 Jahre alt: „Ina än gomake. Ane ä-ä än”: „Ig (d’ Mina) ha gärn Tomate. Banane han-i nit gärn.“ Mina wird wütend, wenn sie nicht verstanden wird.

Luca, 3 Jahre und 8 Monate alt: „ I eid id, ad dad id. Id ad e iudodd?”: „Ig weiss nid, was das isch. Isch das e Schiudchrot?“

Fällt Ihnen auf, dass Ihr Kind nicht so spricht wie die Gleichaltrigen? Versteht es häufig nicht, was gemeint ist? Klingt die Aussprache auffällig, fehlen die Wörter oder stehen sie in falscher Reihenfolge im Satz? Kann Ihr Kind nicht gut spielen? Verhält es sich sehr ängstlich oder draufgängerisch? Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen bestätigen können, ist möglicherweise eine logopädische Untersuchung sinnvoll.

Die Anmeldung kann telefonisch direkt über die Eltern, den Kinderarzt oder andere TherapeutInnen erfolgen.

Eine logopädische Untersuchung auf unserer Abteilung dauert etwa zwei Stunden. Neben dem Sprachentwicklungsstand werden auch die kindlichen Fähigkeiten im Spiel, im Handeln mit alltäglichen Gegenständen sowie in der sozial-kommunikativen Entwicklung untersucht. Gemeinsam mit den Eltern werden die Beobachtungen und das weitere Vorgehen besprochen.

Ergänzt wird die logopädische Abklärung durch eine Hals-, Nasen-, Ohrenärztliche Untersuchung und einen Hörtest, um eine Hörstörung oder organische Auffälligkeiten der Sprechorgane auszuschliessen.

In der logopädischen Therapie mit kleinen Kindern orientieren wir uns am normalen Spracherwerb eines Kindes. Über das Spiel wecken wir das kindliche Interesse an der Kommunikation und an der Sprache.

Literaturhinweis: Zollinger Barbara (2000) (Hrsg.): Wenn Kinder die Sprache nicht entdecken. Einblicke in die Praxis der Sprachtherapie. Bern: Haupt. 

Störungen der Aussprache bei Erwachsenen:

Störungen der Aussprache (z.B. „Lispeln“), die nicht neurologisch bedingt sind, können auch noch im Erwachsenenalter ein Hindernis darstellen. Besonders betroffen davon sind Personen, die in Sprechberufen tätig sind.

Nach ärztlicher Untersuchung und nach Kostengutsprache durch die Krankenkassen kann eine logopädische Untersuchung und Therapie erfolgen.

Redeflussstörungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Michael, 3 Jahre und 9 Monate alt, sagt zu seiner Mutter: Ab-ab-ab-aber ig-ig chaaaas nid nid säge! und spricht dadurch von sich aus sein Stottern an.

Redeflussstörungen können im frühen Kindesalter die Kinder selbst und ihre Eltern verunsichern und sie mit Scham- und Schuldgefühlen belasten. Deshalb ist eine frühzeitige Abklärung sinnvoll. Diese umfasst bei kleinen Kindern (ab 3 Jahren) eine logopädische Untersuchung im Spiel. Danach erfolgt eine Konsultation ohne Kind mit möglichst beiden Eltern und der  Logopädin/dem Logopäden zur Besprechung der Befunde und der therapeutischen Möglichkeiten.

Die Abklärung von stotternden Kindern im Schulalter erfolgt üblicherweise bei der Schullogopädin und nur in besonderen Fällen bei uns.

Stotternde Jugendliche und Erwachsene werden nach ärztlicher Untersuchung und nach Kostengutsprache durch die Krankenkassen zu einem diagnostischen Gespräch mit demLogopäden und der Psychologin eingeladen. Auf dieser Basis werden mit dem stotternden Menschen, bei Jugendlichen immer auch mit deren Eltern, therapeutische Möglichkeiten besprochen.

Literaturhinweis: Jürg Kollbrunner (2005): Stottern ist wie Fieber. Ein Ratgeber für Eltern von kleinen Kindern, die nicht flüssig sprechen. Stuttgart: Kohlhammer.

Näseln

Als Näseln bezeichnet man Veränderungen des Sprechstimmklangs und der Aussprache. Die Ursachen können organisch, z.B. bei Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalte, Gaumensegellähmungen oder Rhinitis, oder funktionell bedingt sein (nachlässige Aussprache, Fehlhaltungen etc.).

Eine phoniatrisch-logopädische Untersuchugn ist Basis für die Empfehlung einer konservativen logopädischen Therapie und/oder einer operativen Massnahme

Lippen-, Kiefer- Gaumenspalte

Im Zusammenhang mit einer Spalte im Lippen-, Kiefer- und Gaumenbereich können sich verschiedenste Probleme ergeben. Sie können das Essen und Trinken, die Atmung und das Gehör betreffen. Später kann die Entwicklung der Sprache und des Gebisses betroffen sein. Die Behandlung der Spaltenkinder beginnt meistens schon in den ersten Tagen nach der Geburt und dauert – natürlich mit grossen Unterbrüchen – bis zur Volljährigkeit.

Kinder mit Spalten werden im Rahmen der interdisziplinären LKG-Sprechstunde von einem Spezialistenteam (Kinderchirurg, Kieferorthopäde und –chirurg, Phoniater, Zahnarzt und Logopädin) betreut. In regelmässigen Abständen wird das Kind an einem Nachmittag von allen Mitgliedern dieses Teams untersucht. Anschliessend werden mit den Eltern und dem Kind die aktuelle Situation und die Planung weitere Therapieschritte (Operationen, Einleitung einer logopädischen Therapie etc.) besprochen.

Link Kinderchirurgie

Stimm-, Aussprach- und Schluckstörungen bei HNO-Tumoren

„Nach der Entfernung meines Kehlkopfes habe ich mich zuerst nur schriftlich verständigen können. In der Logopädie habe ich dann mit der Stimmprothese  sprechen gelernt.“ berichtet ein Patient.

„Seit der Entfernung des Tumors im HNO-Bereich kann ich nicht mehr alles schlucken und muss beim Essen vermehrt husten. Ich habe das Gefühl dass ab und zu etwas stecken bleibt oder in den falschen Hals geht.“

Nach grösseren Tumoroperationen im HNO-Bereich können sich unterschiedliche Einschränkungen ergeben. Bei Tumoren der Zunge oder des Rachens kann das Schlucken beeinträchtigt sein. Eine phoniatrisch-logopädische Schluckuntersuchung dient als Grundlage für die Entwicklung eines individuellen Schlucktherapie-Konzeptes.

Musste wegen eines bösartigen Tumors der Kehlkopf entfernt werden, können verschiedene Ersatzstimmen erlernt werden.

Tumore an Lippe, Kiefer, Zunge oder in der Mundhöhle können auch zu Sprechstörungen führen. In der phoniatrisch-logopädischen Untersuchung wird der genaue Befund erhoben. Anschliessend kann eine logopädische Therapie eingeleitet werden.

Lesen und Schreiben bei Jugendlichen und Erwachsenen

Nach dieser Bildbeschreibung erzählt uns ein 38-jähriger Mann, der während einer Weiterbildung Prüfungsängste erlebte, dass er sich bisher mit seinen Lese- und Rechtschreibkenntnissen mehr schlecht als recht durch das Leben geschlängelt habe. Er leide heute sehr darunter, dass er seiner Frau die Geschäftsbriefe zur Korrektur geben müsse.

Störungen des Schriftspracherwerbs sind bei Kindern hinlänglich bekannt und werden in der Schule behandelt. Aber auch später können Jugendliche und Erwachsene noch unter ihrer Lese- und Rechtschreibschwäche leiden. Nach ärztlicher Untersuchung und nach Kostengutsprache durch die Krankenkassen kann eine logopädische Abklärung erfolgen. In einem abschliessenden Gespräch werden die Ergebnisse besprochen und Therapiemöglichkeiten aufgezeigt.

Sprache und CI

Katia ist 8 ½ Jahre alt und seit Geburt höchstgradig schwerhörig. Mit 18 Monaten erhielt sie ihr erstes CI, mit 2 Jahren auch ein Implantat auf der anderen Seite. Sie besucht die Dorfschule und findet es am schönsten, auf dem Weg in die Schule mit ihren Freundinnen zu schwatzen. Einmal pro Woche kommt eine Audiopädagogin in die Schule.

Dank einem Cochlea Implantat haben höchstgradig schwerhörige Kinder die Möglichkeit, Lautsprache zu erwerben. Die individuellen Unterschiede in der Sprachentwicklung bei CI-Kindern sind sehr viel größer als bei normal hörenden Kindern. Wir erforschen die Sprachentwicklung der Kinder und helfen in der Beratung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit CI, betroffenen Eltern und Logopädinnen.

Literaturhinweis: Szagun, Gisela (2010). Einflüsse auf den Spracherwerb bei Kindern mit Cochlea Implantat: Implantationsalter, soziale Faktoren und die Sprache der Eltern. In: Hörgeschädigte Kinder – erwachsene Hörgeschädigte, 47 (1), 8-36.

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